Tag 22: Eine 21-Kilometer-Baustelle, bemalte Wehrtore und die Rutsche als beste Freundschaft

Keine Polarlichter, dafür Frost

Die Nacht blieb für uns ohne Polarlichter — dafür gab es morgens den ersten richtigen Frost. Zeit, sich warm einzupacken und weiterzuziehen.

21 Kilometer Baustelle: Schweden sind beinhart

Highlight — oder besser gesagt Tiefpunkt — der heutigen Fahrt: eine 21 Kilometer lange Baustelle. Und dabei zeigt sich mal wieder: Die Schweden sind beinhart. Man fährt hier nicht drumherum, sondern mitten durch — der Untergrund ist dabei oft mehr Offroad-Piste als Straße. Erlaubt sind 50 km/h, wir sind teilweise freiwillig mit 30 unterwegs. Nicht alle Schweden sehen das allerdings genauso entspannt: Einige überholen einfach mitten in der Baustelle.

Auch heute wieder aufgefallen: Autos mit einem roten Dreieck am Heck. Das steht für gedrosselte Fahrzeuge, sogenannte A-Traktoren — ein echtes schwedisches Kulturphänomen. Ursprünglich in den 1920er-Jahren als landwirtschaftliches Hilfsfahrzeug entstanden, sind A-Traktoren heute bei Jugendlichen ab 15 Jahren extrem beliebt, denn mit dem entsprechenden Führerschein darf man sie schon vor dem regulären Autoführerschein fahren. Technisch auf 30 km/h gedrosselt — meist über ein zusätzliches Getriebe oder elektronisch —, sind es oft uralte Autos, liebevoll (oder weniger liebevoll) frisiert: tiefergelegt bis es schleift, mit lautem Auspuff. Schön auf dicke Hose machen, trotz Tempo 30.

Wasserkraft mit Kunst am Wehr

Rund 260 Kilometer waren wir heute über 3,5 Stunden unterwegs — vor allem dank der Monster-Baustelle. Kurz vor Jokkmokk kamen wir an zwei Wasserkraftwerken vorbei, das zweite davon, das Kraftwerk Akkats, richtig hübsch anzusehen: Die beiden Tore der Wehranlage wurden vom schwedischen Künstler Bengt Lindström vollflächig bemalt. Das zwischen 1969 und 1973 erbaute Kraftwerk am Lilla Luleälven leistet heute rund 150 Megawatt — und beweist, dass auch Infrastruktur durchaus schön aussehen kann.

Jokkmokk: die beste Rutsch-Freundschaft der Welt

In Jokkmokk angekommen, erwartete uns ein toller Campingplatz mit einem noch tolleren Spielplatz. Und dort gab es die Szene des Tages: Fiete rutscht die Rutsche runter, Mats kommt ans Rutschenende und wartet geduldig auf ihn. Fiete nimmt daraufhin eine andere Rutsche — Mats wartet trotzdem brav an der ersten, ruft nach ihm. Und als er merkt, dass Fiete eine andere Rutsche genommen hat, läuft er sofort zu ihm hinüber. So haben die beiden den ganzen Nachmittag draußen miteinander gespielt — ein wirklich schöner Anblick, wie sehr die beiden inzwischen zusammenhalten.