Tag 21: Ausgleichsklötze, ein Bergwerk auf Wanderschaft und ein Lego-Camper

Der Campingplatz: alles andere als 08/15

Angekommen auf dem Campingplatz wurde gleich klar: Das hier ist nicht 08/15. Eine richtige Rezeption, ein eigenes Gym mit Paddel-Halle und Sauna — alles inklusive. Dafür aber preislich noch immer unter dem, was wir zuletzt in Norwegen für die Plätze bezahlt haben.

Der Platz war diesmal nicht gerade eben, also kamen zum ersten Mal überhaupt die Ausgleichsklötze für die Vorderräder zum Einsatz. Wichtiger Tipp für die Nachwelt: Wenn die Frau „Stop“ ruft, sollte man nicht noch 30 Zentimeter weiterrollen. Denn dann fährt man auf der anderen Seite vom Klotz wieder runter und steht genau da, wo man vorher schon stand.

Die Sache mit den laufenden Motoren

Nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat sich derweil eine französische Männergruppe auf dem Platz. Wir standen direkt neben dem Servicehaus, die Wege hier sind wirklich nicht weit — aber die Franzosen fanden trotzdem, man müsse zum Abendessen doch lieber mit dem Camper direkt vor die Haustür fahren. Es ist ja auch wirklich kalt mit 4 Grad am Abend. Also: Camper quasi neben unseren gestellt — und damit es nach dem gemeinsamen Kochen und Essen im Servicehaus im Camper nicht zu kalt wird, lässt man eben Motor und Heizung einfach laufen. Nach 45 Minuten ist Fabian dann mal rüber und hat gefragt, ob das wirklich sein müsse. Musste es nicht — und endlich war es ruhig. Manche Camper sind eben anders als andere.

Kiruna: eine Stadt zieht um

Am nächsten Morgen ging es, dick angezogen, nach Kiruna in die Stadtmitte, um zu schauen, was hier in den letzten Jahren alles neu entstanden ist. Und das ist eine ganze Menge, denn Kiruna erlebt gerade etwas historisch Einmaliges: Die 1900 für den Eisenerzabbau gegründete Stadt liegt direkt über der gewaltigen Lagerstätte der LKAB-Mine, die inzwischen bis auf 1.365 Meter unter dem einstigen Berggipfel reicht. Mit fortschreitendem Abbau senkt sich der Boden über der Grube nach und nach ab — Stück für Stück kollabiert das Gelände, in dem einmal die Innenstadt stand. Schon seit 2004 wird deshalb an einer Lösung gearbeitet, 2011 fiel die Entscheidung: Das komplette Zentrum wird rund drei Kilometer weiter östlich, in Richtung Tuolluvaara, neu aufgebaut. Das neue Rathaus ist bereits seit 2018 in Betrieb, das neue Stadtzentrum wurde 2022 eröffnet, und selbst die 672 Tonnen schwere historische Holzkirche wurde inzwischen komplett versetzt. Am Ende müssen rund zwei Drittel der Einwohner umziehen — Kosten und Entschädigungen trägt vollständig die LKAB, die mit rund 85.000 Tonnen Erz pro Tag immerhin für 80 Prozent der europäischen Eisenerzproduktion verantwortlich ist und der größte Arbeitgeber der Region bleibt.

Luossavaara: kein Gipfelsturm, aber eine grandiose Aussicht

Danach wollte Fabian noch auf eine Aussichtsplattform, die von Weitem so aussah. Herausgestellt hat es sich als Ski- und Bikegebiet: der Luossavaara, ein 724 Meter hoher Hausberg Kirunas, der früher selbst Standort einer LKAB-Eisenerzmine war und heute als Freizeitberg für Ski- und Mountainbike-Fans dient. Gerade war offenbar Saisonwechsel im Gange — die Mitarbeiter waren dabei, von den Sesseln des Lifts die Gestelle für die Mountainbike-Aufnahme zu demontieren.

Der durchaus steile Berg sah von unten gar nicht steil aus — also Mats in die Kraxe und auf Fabians Rücken, alle Mann (und Conny) die Wanderschuhe geschnürt, und ab auf den Berg. Auf halber Strecke schwante uns schon, dass wir den Gipfel nicht erklimmen würden. Aber auch auf drei Vierteln der Strecke gab es bereits eine tolle Aussicht über Kiruna und die gewaltigen Abraumhalden und Anlagen der Mine, die die Stadt seit über 125 Jahren prägt.

BMX-Piste, Roller-Action und ein quiekender kleiner Bruder

Wieder unten angekommen, haben wir noch einen weiteren Teil des Bike-Parks entdeckt — mit asphaltierter BMX-Piste. Also schnell Fietes Roller geholt und ab dafür. Er ist hoch und runter und um die Kurven geflitzt, und Mats ist zu Fuß vor Freude quiekend hinterhergelaufen.

Ein Lego-Camper und ein entspannter Abend

So ausgepowert ging es noch fix einkaufen. Und Fiete hat einen Lego-Campingwagen entdeckt, den er unbedingt haben wollte. Wer kann da schon Nein sagen? Zurück am Campingplatz wurde also direkt mit dem Aufbauen angefangen: Fiete beim Lego-Bauen, Conny und Mats beim Bilderbuch-„Lesen“, und Fabian hat schon mit den Vorbereitungen fürs Abendessen begonnen. So klang der Abend entspannt aus — zusammen mit einer durchaus realistischen Prognose auf Polarlichter, die wir regelmäßig über die „Aurora“-App prüfen.