Tag 29: Filetstück am Vättern, Zuckerstangen aus Handarbeit und die letzte Nacht im Camper

Ein bewusst ruhiger Tag mit kurzer Fahrt, viel Sonne, einer süßen Tradition und dem Gefühl, dass sich unsere Reise langsam dem Ende zuneigt.

Ein kleiner Platz ganz für uns

Der Campingplatz in Kolmården war verhältnismäßig klein und sehr leer. Nur eine, vielleicht auch zwei Schulgruppen waren vor Ort — allerdings ganz woanders auf dem Gelände und in Hütten untergebracht. Außer dass sie morgens an uns vorbei zum Eingang gepilgert sind, haben wir von ihnen nichts mitbekommen.

Kurze Etappe nach Gränna

Also: Camper vorbereiten und ab nach Gränna. Die Strecke war kurz, keine zwei Stunden — und das ganz bewusst so gewählt. Entsprechend waren wir schon gegen Mittag da.

Der Platz in Gränna ist riesig und simpel gestaltet: eine große Grasfläche, in der Mitte das Servicehaus. Wir hatten uns vorab schon das Filetstück reserviert, mit direktem Blick auf den Vättern, Schwedens zweitgrößten See, und einem Sandstrand direkt vor der Tür. Wir können uns lebhaft vorstellen, wie hier im Sommer die Hütte brennt. Jetzt, in der Nebensaison, herrschte dagegen gähnende Leere. Bei strahlendem Sonnenschein haben wir also schnell Tisch und Stühle ausgepackt und draußen zu Mittag gegessen.

Gränna und die Polkagris

Danach ging es zu Fuß direkt in den Ort. Gränna ist in ganz Schweden bekannt für seine rot-weißen Zuckerstangen, die Polkagris — und dahinter steckt eine schöne Geschichte. Die Witwe Amalia Eriksson musste sich nach dem frühen Tod ihres Mannes allein um sich und ihre kleine Tochter kümmern. 1859 erhielt sie die Genehmigung, eine eigene Bäckerei zu eröffnen, und begann dort mit der Herstellung der Zuckerstangen: Zucker, Essig und Wasser wurden erhitzt, ein Teil rot gefärbt, der Rest mit Pfefferminzöl aromatisiert, und das Ganze lange geknetet. Der Name geht vermutlich auf die damals populäre Polka zurück. Aus der kleinen Idee einer Witwe ist ein echtes Wahrzeichen geworden: Die Polkagris gilt heute als Symbol Grännas und als eines der beliebtesten Souvenirs Schwedens, und im Park am Fuße des Grännabergs erinnert eine Statue an Amalia Eriksson.

Zuschauen, wie Zuckerstangen entstehen

In einem der Läden konnten wir dann direkt zuschauen, wie die Zuckerstangen hergestellt werden. Zuerst wird das Rohmaterial aufgekocht und anschließend auf einer beheizten Platte ausgebreitet. Dann wird die Masse mit dem gewünschten Geschmack vermischt und geknetet, bevor durch „Mangeln“ Luft hineingearbeitet wird. Am Ende wird die Masse von Hand mit den eingefärbten Akzenten kombiniert und gerollt. Lange Rollen, viel Rollen — so lange, bis die Stangen endlich die richtige Länge und Form haben.

Davon ganz begeistert konnten wir natürlich nicht widerstehen und haben einmal quer durch die Sorten „geshoppt“.

Hafen, Sonne und Spielplatz

Auf dem Rückweg ging es noch einmal zum Hafen, wo die Fähre zur Insel Visingsö mitten im See gefühlt im 20-Minuten-Takt ablegt. Und danach haben wir noch einmal ausgiebig das schöne Wetter und den Spielplatz genossen.

Die letzte Nacht im Camper

Und nun bricht sie an: unsere letzte Nacht im Camper. Morgen Abend schlafen wir schon an Bord der „MS Peter Pan“ auf dem Weg von Trelleborg nach Travemünde — und danach hat uns unser Zuhause wieder. Daran wollen wir jetzt aber noch nicht denken. Denn morgen steht vorher noch ein kleines Highlight an.