Zwei Tage, an denen sich der Plan geändert hat, die Landschaft sich noch mal komplett gewandelt hat — und wir ganz nebenbei zum ersten Mal offroad unterwegs waren.
Tag 12: Umplanung, Feldweg-Adventure und die erste Tankfüllung seit Langem
Statt wie ursprünglich geplant von Umeå erst nach Luleå und einen Tag später weiter nach Arjeplog zu fahren, haben wir kurzerhand umdisponiert: direkt durch nach Arjeplog. Also: Roadtrip! Diesmal ging es viel über die Autobahn, erst kurz vor Arjeplog wurde daraus eine Landstraße.
Die schwedische Landschaft ist ja generell bemerkenswert — irgendwie fährt man immer an einem kleinen, mittelgroßen oder riesengroßen See entlang. Diesmal kam noch dazu, dass es auffallend lange durch dichte Waldgebiete ging. Auf der Landstraße sind wir gemütlich mit 80 bis 90 km/h dahingezogen, bis Google Maps eine Idee hatte: „Ich kann euch 7 Minuten sparen, fahrt mal diesen Feldweg entlang.“ Spoiler: Am Ende waren es eher 5 Minuten mehr statt 7 Minuten weniger Fahrzeit. Aber hey — dafür sind wir jetzt auch wahrhaftig offroad gefahren. Check.
In Arjeplog haben wir dem nicht ganz so durstigen Camper (aktuell im Schnitt um die 9,5 Liter Diesel auf 100 km) dann auch mal wieder etwas zu trinken gegeben. Ka-ching.
Tag 13: Über den Polarkreis und den Graddis-Pass nach Norwegen
Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Norwegen, genauer gesagt zum Saltstraumen bei Bodø — dem stärksten Gezeitenstrom der Welt. Viermal täglich presst sich dort eine gewaltige Wassermasse von rund 400 Millionen Kubikmetern durch eine nur 150 Meter schmale Meerenge, mit Strömungsgeschwindigkeiten von bis zu 20 Knoten und Strudeln von bis zu 10 Metern Durchmesser.
Auf dem Weg dorthin veränderte sich die Landschaft spürbar: Der Herbst ist hier eindeutig schon angekommen. An den Laubbäumen haben sich die Blätter bereits bunt gefärbt, manche fallen schon ab. Besonders schön: Kurz nach der Abfahrt in Arjeplog sind wir kilometerweit auf einen riesigen, tollen Regenbogen zugefahren.
Unterwegs haben wir dann den nördlichen Polarkreis überquert. Um von der schwedischen Seite Richtung Bodø zu kommen, mussten wir zudem das Gebirge überqueren — über den Graddis-Pass durch das Junkerdalen, das auf norwegischer Seite zum 2004 gegründeten Junkerdal-Nationalpark gehört, bekannt für seine botanische Vielfalt und Tiere wie Vielfraß und Luchs. Der Pass selbst liegt auf schwedischer Seite auf 686 Metern über dem Meeresspiegel — und das hat man gespürt: Die Gipfel ringsum trugen bereits weiße Spitzen, und das Thermometer im Camper fiel stellenweise auf unter 5 Grad, mitten am Tag.
Kurz hinter der Grenze in Norwegen war es dann, als würde ein Schalter umgelegt: unfassbare Berglandschaften, enge Passstraßen, dazu Regenschauer. Und als hätte der Nationalpark nur auf sein Stichwort gewartet: Mitten auf der Straße stand plötzlich ein Luchs. Schwer zu fahren, aber atemberaubend. So ging es über teils sehr enge Straßen in sehr gemächlichem Tempo weiter zum Campingplatz am Saltstraumen. Müde von der Fahrt ging an dem Abend nicht mehr viel — Abendessen, dann früh ins Bett.