ZDF – Zahlen, Daten, (Fun) Fakten

Morgen geht’s los: 5.800 Kilometer, ein Neumond und ein Camper, der uns knapp überrascht hat

Heute Nachmittag haben wir ihn abgeholt: einen Hymer Tramp S 680, 7,39 Meter lang, 2,29 Meter breit, 2,96 Meter hoch — unser Zuhause für die nächsten 32 Tage. Morgen früh geht’s los: Trittau, Fähre Puttgarden–Rødby, und dann fünf Wochen lang Richtung Norden, bis wir irgendwo über den Lofoten hoffentlich ein paar Nordlichter zu sehen bekommen.

Bevor wir losfahren, noch schnell ein paar Zahlen und Kuriositäten, die sich beim Planen angesammelt haben — teils beruhigend, teils Kopfschmerzen verursachend, alle echt.

Die Reise in Zahlen

5.800 Kilometer, 32 Tage, 3 Länder, 4 Währungen. Dänische Kronen, schwedische Kronen, norwegische Kronen und Euro — wir haben uns eine einzige Regel eingeprägt: am Kartenterminal nie „in Euro zahlen“ antippen. Rechnet der Automat selbst um (Dynamic Currency Conversion heißt das offiziell), kostet das 3 bis 7 Prozent mehr, als es müsste. Klingt nach Kleinkram, läppert sich aber bei jeder einzelnen Zahlung.

Und dann ist da unser Camper. Als wir ihn heute übernommen haben, war klar: Der Tramp S 680 ist kein kleines Fahrzeug. 7,39 Meter Länge, 2,29 Meter Breite (mit Spiegeln eher 2,55 Meter), 2,96 Meter Höhe — länger als mancher Kleinbus, und genau diese Zahlen werden uns später in den engen Gassen der Lofoten-Fischerdörfer noch beschäftigen. Die gute Nachricht: An keinem einzigen Mauttarif ändert sich dadurch etwas. Ob Norwegen-Fähren, Öresundbrücke oder die Ostsee-Fähre — überall liegen wir noch komfortabel innerhalb derselben Preisbänder wie ein deutlich kürzeres Fahrzeug. Teurer würde es erst ab 8 Metern.

Das eigentliche Nadelöhr ist ohnehin nicht die Länge, sondern das Gewicht: Zulässige Gesamtmasse 3.500 kg, Leergewicht fahrbereit rund 3.013 kg — bleiben uns knapp 487 Kilogramm für vier Personen, Gepäck, Proviant und Wasser, über 32 Tage. Packen war in den letzten Wochen weniger Tetris, mehr Kopfrechnen.

Warum genau diese fünf Wochen

Die Route ist nicht zufällig so gelegt, wie sie ist. Am 1. September, unserem Abfahrtstag, gibt es auf den Lofoten noch null Stunden astronomische Dunkelheit — die Sommernacht ist praktisch nie ganz dunkel. Bis wir Ende September dort ankommen, sind daraus über sechs Stunden Nacht geworden. Wir fahren der Dunkelheit im Grunde hinterher, weil man ohne sie schlicht kein Nordlicht sieht.

Am 11. September ist außerdem Neumond — die dunkelste, mondloseste Nacht der ganzen Reise, ausgerechnet wenn wir im schwedischen Binnenland bei Arjeplog stehen. Und zwei Tage später, am 13. September, treffen wir mit ähnlich gutem Timing auf den Saltstraumen, den stärksten Gezeitenstrom der Welt: 400 Millionen Kubikmeter Wasser drücken viermal täglich durch einen nur 150 Meter schmalen Sund, mit bis zu 20 Knoten und Strudeln von bis zu 10 Metern Durchmesser — und wir erwischen ihn exakt zur Springtide, zwei Tage nach Neumond, wenn der Strom am stärksten ist.

Auch das Ende der Reise ist kein Zufall: Um den 22. bis 24. September, kurz vor der Herbst-Tagundnachtgleiche, liegt unsere zweite Nordlicht-Phase in Abisko. Um die Äquinoktien herum ist geomagnetische Aktivität statistisch nachweisbar erhöht — der sogenannte Russell-McPherron-Effekt, benannt nach der günstigeren Ausrichtung von Erdmagnetfeld und Sonnenwind zu dieser Jahreszeit. Klingt nach Physik-Vorlesung, heißt für uns aber: bessere Chancen, genau dann, wenn wir sowieso da sind.

Ganz ehrlich sein müssen wir bei einem Punkt: Auf den Lofoten ist nicht die Dunkelheit unser größter Gegner, sondern die Wolken. Der September dort hat im Schnitt 24 Regentage bei nur 3,4 Sonnenstunden am Tag. Für praktisch jeden einzelnen Tag steht deshalb ein wetterfester Plan B in der Tasche — Museum, Aquarium oder Science-Center statt Strand.

Kleine Logistik-Kuriositäten am Rande

Die Fähre, mit der wir morgen von Puttgarden nach Rødby übersetzen, trägt einen schönen Namen: Vogelfluglinie — benannt nach der internationalen Vogelzugroute, die exakt hier über die Ostsee verläuft. Wir nehmen also denselben Weg wie die Zugvögel, nur mit mehr Gepäck.

Unsere Gasflasche reicht rechnerisch nur für 16 bis 20 der 32 Reisetage — Nachkauf unterwegs in Schweden ist von Anfang an fest eingeplant, keine Notlösung. Die Dieselheizung wiederum hat einen eingebauten Selbstschutz: Sie stellt sich automatisch ab, sobald der Tank nur noch zu einem Viertel voll ist, damit wir nicht aus Versehen ohne Reserve für den Rückweg dastehen. Bei Frostnächten im hohen Norden ein Detail, das über eine kalte Nacht entscheiden kann.

Und obwohl Skandinavien praktisch bargeldlos ist, dürfen wir ausgerechnet die lokalen Bezahl-Apps nicht nutzen: Swish, Vipps und MobilePay setzen alle ein einheimisches Konto mit Personennummer voraus. Karte in Landeswährung bleibt also unser Weg.

Norwegen ist zudem nicht Teil der EU — mitten in der Reise, am 13. September beim Grenzübertritt Junkerdal/Graddis, gelten plötzlich wieder Einfuhrbestimmungen für Fleisch, Milchprodukte und Alkohol. Fühlt sich seltsam an, wenn man gerade erst durch drei EU-Länder gefahren ist.

Und die Kinder?

Fiete entscheidet an einer Stelle sogar über unser Programm: Die Grubenfahrt in der LKAB-Eisenerzmine in Kiruna hat Mindestalter 6 — Mats mit 1,5 Jahren müsste draußen bleiben. Also fällt der Punkt für die ganze Familie aus, keine Diskussion. Dafür zieht sich Astrid Lindgren als roter Faden durch die erste Hälfte der Reise: von der Astrid-Lindgren-Welt in Vimmerby bis nach Junibacken in Stockholm, zwei Tage, zwei Orte, eine Kindheitswelt.


Morgen früh starten wir. Ob wir tatsächlich Nordlicht sehen, ob die 487 Kilo Zuladung halten, und ob der Tramp S 680 wirklich durch jede Gasse der Lofoten passt — das erzählen wir euch von unterwegs.